Historisches
Für die Menschen war es immer wichtig, Dinge zu transportieren. Er benutzte dazu Tierhäute, Kürbisse und lernte schließlich, aus Zweigen Körbe zu flechten. Allerdings konnte man mit Körben nur feste, trockene Gegenstände tragen. Für Öl, Wasser und Wein waren diese ungeeignet. Der Gedanke lag nahe, Körbe mit Ton zu bestreichen. Der trockene Ton dichtete, allerdings bröckelte er gerne ab. Wurde jedoch der Korb in die Sonne gestellt, härtete er aus und eignete sich recht gut, auch Flüssigkeiten zu transportieren.
Später wurde Gefäße ausschließlich aus Ton geformt und so entwickelten sich etwa um 9000 v. Chr. die ersten einfachen Tongefäße. Um etwa 7000 v. Chr. wurden die ersten Gefäße bewusst ins Feuer gestellt und es entstand die harte Keramik.
Konnte man das Gefäß drehen, so schuf der Druck der geschickten Hand eine gleichmäßige zylindrische Form. Bald verfeinerte sich diese Technik und der Weg führte etwa um 3000 v. Chr. zur Töpferscheibe.
Aus dem natürlichen Bedürfnis des Menschen für Schönheit und Wert wurden diese Gefäße verziert, sodass jede Epoche und jede Kultur bei Töpferwaren ihren eigenen, unverwechselbaren Stil hat – dies macht es den Archäologen leicht sie zuzuordnen und der kunstsinnige Mensch bewunderte den Formenreichtum, die Farbgebung und die Verzierung.
Zu den ältesten urkundlich bezeugten Handwerken in Kapfenberg zählt die Hafnerei. Die heutige Schmiedgasse wurde von 1328 – 1751 Hafnerzeile genannt. Der Stadtteil Hafendorf weist mit seinem Namen auf das Handwerk hin. Im 15. Jahrhundert griff der Kaiser persönlich in einen Zwist zwischen den Kapfenberger und Kindberger Hafnern ein und bestimmte, dass die Kapfenberger Hafner nur schwarze, rote und graue Töpferwaren erzeugen durften.
Die Kapfenberger Hafner hatten den Vorteil, dass die Zunft in ihrem Markt den Sitz und dass der Zechmeister der Zunft stets aus den vier Kapfenberger Meistern zu wählen war. Kaiser Karl VI gab dem Kapfenberger Hafnerhandwerk 1726 ein Privileg, das auch die Rechte und Pflichten der Gesellen enthielt.
Aus diesem kurzen geschichtlichen Abriss lässt sich die Bedeutung der Keramik für uns Menschen aber auch für das frühe Kapfenberg messen. Neben dem Gebrauchscharakter der Keramik reizt den kreativen Menschen, den Ton ausschließlich zu gestalten und auszuloten, welche neue Möglichkeiten dieses Material hergibt.
Historische Wurzeln, die Gewissheit, dass es keine ähnlich gelagerten künstlerischen Wettbewerb in der Region gibt, das Wissen und das Können der Kapfenberger Keramikerin Waltraut Gschiel auf diesem Gebiet, die Zusammenarbeit mit der Akademie Graz, das Schaffen eines Forums für zeitgenössische Keramik, sowie die Bedeutung der Keramik für unsere Partnerstadt Frechen in Deutschland, sind die Beweggründe, diese Keramik-Biennale in Kapfenberg zu veranstalten.
Roland ALEXA
Kulturreferent der Stadt Kapfenberg a.D.


